Ein Nährstoff kann auf einem Etikett in hoher Menge stehen – entscheidend ist jedoch auch, was davon für den Körper verfügbar wird. Genau hier kommt der Begriff Bioverfügbarkeit ins Spiel.
Das Wichtigste in Kürze
Die EFSA beschreibt Bioverfügbarkeit vereinfacht als Maß dafür, wie viel einer Substanz in den Blutkreislauf gelangt. Bei Vitaminen und Mineralstoffen kann unter anderem die verwendete Verbindung Einfluss darauf haben. [1]
Eine höhere theoretische Produktmenge bedeutet deshalb nicht zwingend eine entsprechend höhere Aufnahme.
Was bedeutet Bioverfügbarkeit?
Stell dir zwei Produkte vor, die auf dem Etikett dieselbe Menge eines Mineralstoffes angeben.
Das bedeutet zunächst nur:
Beide enthalten dieselbe deklarierte Menge.
Es bedeutet nicht automatisch:
Der Körper nimmt aus beiden exakt dieselbe Menge auf.
Zwischen Einnahme und tatsächlicher Verfügbarkeit liegen verschiedene Schritte – darunter Freisetzung, Lösung und Aufnahme im Verdauungstrakt.
Spielt die chemische Verbindung eine Rolle?
Ja, sie kann eine Rolle spielen.
Ein gutes Beispiel liefert Magnesium.
In Humanstudien zeigte Magnesiumcitrat gegenüber Magnesiumoxid eine höhere Aufnahme anhand bestimmter untersuchter Marker. [2]
Ein ähnlicher Effekt wurde bei verschiedenen Zinkverbindungen beobachtet: In einer randomisierten Crossover-Studie wurde Zink aus Zinkcitrat und Zinkgluconat besser aufgenommen als aus Zinkoxid. [3]
Bedeutet das, dass „organisch“ immer besser ist?
Nein.
Genau hier wird der Begriff Bioverfügbarkeit im Marketing häufig zu stark vereinfacht.
Ergebnisse zu einer bestimmten Verbindung können nicht ohne Weiteres auf sämtliche Mineralstoffe, Dosierungen und Produkte übertragen werden.
Auch eine besonders hohe Bioverfügbarkeit ist nicht automatisch ein Vorteil, wenn die Dosierung für den jeweiligen Menschen nicht passend ist.
Warum prüft die EFSA überhaupt die Bioverfügbarkeit?
Bei der Bewertung neuer Vitamin- und Mineralstoffquellen für Nahrungsergänzungsmittel betrachtet die EFSA neben der Sicherheit auch, ob der enthaltene Nährstoff aus der jeweiligen Quelle für den Körper verfügbar gemacht werden kann.
Das zeigt: Die chemische Form eines Nährstoffs ist ernährungswissenschaftlich tatsächlich relevant – sie ist also mehr als nur ein Begriff auf dem Etikett.
Ist Bioverfügbarkeit dasselbe wie Wirkung?
Nein.
Das ist ein besonders wichtiger Unterschied.
Bioverfügbarkeit beschreibt zunächst die Verfügbarkeit einer Substanz im Körper.
Ob daraus ein konkreter gesundheitlicher Nutzen entsteht, ist eine vollkommen andere Frage.
Ein Stoff kann sehr gut aufgenommen werden, ohne dass eine höhere Zufuhr für einen bereits ausreichend versorgten Menschen automatisch einen zusätzlichen gesundheitlichen Vorteil bringt.
Fazit
Bioverfügbarkeit hilft dabei zu verstehen, warum bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht ausschließlich die größte Zahl auf dem Etikett entscheidend ist.
Zusammensetzung, chemische Verbindung und Dosierung gehören gemeinsam betrachtet.
Oder einfacher:
Was drin ist, ist wichtig. Was davon verfügbar wird, ebenfalls.
Quellen & weiterführende Literatur
[1] European Food Safety Authority. Bioavailability – EFSA Glossary sowie EFSA: Food supplements.
[2] Walker AF et al. Mg citrate found more bioavailable than other Mg preparations in a randomised, double-blind study. Magnes Res. 2003. PMID: 14596323
[3] Wegmüller R et al. Zinc absorption by young adults from supplemental zinc citrate is comparable with that from zinc gluconate and higher than from zinc oxide. J Nutr. 2014;144(2):132–136. DOI: 10.3945/jn.113.181487