Nahrungsergänzung richtig lesen: Was ein Etikett wirklich verrät

Nahrungsergänzung richtig lesen: Was ein Etikett wirklich verrät

Milligramm, Tagesportion, Referenzmenge, Zutatenliste und Health Claims: Supplement-Etiketten enthalten viele Informationen. Wer weiß, wo er hinschauen muss, kann Produkte wesentlich besser einordnen.

Das Wichtigste in Kürze

Nahrungsergänzungsmittel gelten in der Europäischen Union rechtlich als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel. Ihre Kennzeichnung darf deshalb insbesondere keine Eigenschaften zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung menschlicher Erkrankungen zuschreiben. [1]

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten außerdem spezielle Kennzeichnungspflichten, beispielsweise hinsichtlich empfohlener Tagesportion, enthaltenen Nährstoffmengen und bestimmter Hinweise. [1]

1. Nicht nur auf die Vorderseite schauen

Die Vorderseite eines Produkts ist Kommunikation.

Die Rückseite ist Information.

Begriffe wie Produktname, Geschmacksrichtung oder Design sagen zunächst wenig darüber aus, wie sich das Präparat tatsächlich zusammensetzt.

Entscheidend sind Zutatenliste und Nährstoffangaben.

2. Auf die Tagesportion achten

Bei Nahrungsergänzungsmitteln müssen die relevanten Mengen auf Basis der vom Hersteller empfohlenen Tagesportion angegeben werden. [1]

Deshalb lohnt sich die Frage:

Bezieht sich die angegebene Menge auf eine Kapsel – oder beispielsweise auf drei Kapseln?

Erst dadurch werden Produkte wirklich vergleichbar.

3. Verbindung und Wirkstoffmenge unterscheiden

Bei Mineralstoffen kann die Bezeichnung der Rohstoffverbindung von der Menge des eigentlichen Mineralstoffes abweichen.

Ein Beispiel ist Magnesium:

„Magnesiumcitrat“ bezeichnet die gesamte Verbindung.
Die Nährwertangabe „Magnesium“ bezeichnet dagegen den enthaltenen Mineralstoff.

Ähnliches gilt für viele andere Mineralstoffverbindungen.

4. Was bedeutet NRV?

Bei Vitaminen und Mineralstoffen findet man häufig einen Prozentwert der Referenzmenge.

Diese Angabe hilft dabei einzuordnen, wie die enthaltene Menge im Verhältnis zu dem gesetzlich verwendeten Referenzwert steht.

200 % NRV bedeutet allerdings nicht automatisch doppelt so gesund.

Referenzwerte sind Orientierungspunkte und keine Bewertung der Produktqualität.

5. Was sind Health Claims?

Aussagen über einen Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel beziehungsweise Nährstoff und der Gesundheit unterliegen in der EU besonderen Regeln.

Die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 bildet hierfür den rechtlichen Rahmen. Autorisierte und nicht autorisierte Health Claims können im offiziellen EU-Register eingesehen werden. [2,3]

Das bedeutet:

Nicht jedes wissenschaftlich interessante Ergebnis darf automatisch als Werbeversprechen auf einem Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden.

6. Was sollte außerdem auf dem Etikett stehen?

Die EU-Regelungen sehen für Nahrungsergänzungsmittel unter anderem Hinweise vor, dass die empfohlene tägliche Verzehrsmenge nicht überschritten werden sollte, dass Nahrungsergänzungsmittel keinen Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung darstellen und dass sie außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufzubewahren sind. [1]

Fazit

Ein gutes Supplement-Etikett sollte nicht beeindrucken müssen, um informativ zu sein.

Wer Tagesportion, Zutaten, tatsächliche Nährstoffmenge und zulässige Aussagen voneinander unterscheiden kann, bekommt schnell ein wesentlich klareres Bild eines Produktes.

Transparenz beginnt nicht mit einem Versprechen. Sie beginnt mit einer verständlichen Deklaration.

Quellen & weiterführende Literatur

[1] Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel, EUR-Lex.
[2] Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.
[3] Europäische Kommission. EU Register of Nutrition and Health Claims.

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